Dreizehn, siebzehn, neunzehn, mein Zwerchfell schnurrte.
Ich war zufrieden mit Gott und der Welt, wenig war mir
lieber als das verdiente Geld zu zählen nach einer
langen Nacht. Ich pfiff ein Lied vom reich-sein durch die
Zähne, legte mich zum verdienten Schlaf auf die
Matratze im Wohnzimmer, da Flora in meinem Bett lag.
Ich schaute kurz zu ihr rein, sie schlief mit drei viertel
geschlossenen Augen, dann blies ich die Müdigkeit aus
meinem Rücken in den frühen Morgen.
Vier Minuten später - es können auch drei Stunden
gewesen sein - weckte mich das Telefon, das siebzig Mal in
die leere Wohnung sirrte, bis ich, matt wäre ich gerne
gewesen, abhob und mich mit einem wenig freundlichen
"ma?"
meldete. Wer mich jetzt anrief, konnte mir nicht wohl gesonnen
sein. Von Läuter drei bis achtundsechzig hatte ich ein
komplettes Weltgebäude entworfen, in dem die einzig
erlaubte Gewaltanwendung das Telefon war - immer bereit, den
Angerufenen aus seiner Ruhe zu verscheuchen in ein ungebetenes
Gespräch, in ein falsch verbunden oder in ein Fax, das
bekanntlich der Teufel persönlich erfunden hat, um es
nicht-Besitzern ins Ohr zu bohren.
Es war Tonio. Was um alles in der Welt könnte er mir jetzt
sagen, vorhin erst hatte er mich nach Hause gebracht, weil es
sieben harte Grade unter null gehabt hatte, was Italiener im
Allgemeinen nicht schätzen. Er war offensichtlich nicht
schlafen gegangen, seine Stimme klang nach mindestens zwei Promille.
"Amigo", lallte er, ohne zu wissen, wie wenig das im
Moment stimmte, "Amigo, ich muß dich sehen. Ich
muß dich sehen, hörst du?"
"Um fünf ist die Schicht" sagte ich, acht unter null.
"Eh, es ist wichtig, hörst du?"
"Na, sag es mir, dann leg ich mich wieder hin."
"Nein, mein Lieber, ich kann dir das am Telefon nicht
sagen, komm ins Groucho, ich warte."
Er legte auf, bevor ich ihm versichern konnte, daß ich nicht kommen würde.
Ich saß mit einem Grant für zwei im Groucho,
es war neun Uhr morgens und wer fehlte, war Tonio. Ich
starrte leer auf die Tür, löffelte den Schlag
von der Schokolade und versuchte zum dritten Mal, die
Schlagzeile der Tageszeitung, die mein Vordermann studierte, zu entziffern.
Ich war doch nicht mehr ins Bett gekommen, nach diesem
Anruf, mit Blei in den Waden herüber gegangen, die
vier Schritte in unser Café, und so saß ich jetzt
eine halbe Stunde. Eine Stunde. Ich winkte der Kellnerin
Angelita, der Tag war gelaufen, so oder so. Endlich Tonio,
mit mittlerweile doppelter Ladung, der die Tür aufschnellte.
Er verzichtete auf sein umständliches Begrüßungsritual
und stürzte auf mich zu:
"Da bist du ja endlich, Hombre, ich muß dir was erzählen,
aber gehen wir, ich muß dir was erzählen."
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